Die Geschichte der Kreuzfahrt
Die Geburtsstunde der Kreuzfahrt
Die Geburtsstunde der Kreuzfahrt schlug 1891. Der tüchtige Geschäftsmann Albert Ballin, Direktor der Hapag erkannte, dass sich in den Wintermonaten mit der fahrplanmäßigen Atlantiküberquerung nur wenig Geld verdienen ließ. Statt die Schiffe in der kalten Jahreszeit ungenutzt im Hafen liegen zu lassen, kam er als Erster auf die Idee Vergnügungsreisen anzubieten.
Das erstes Schiff, das Albert Ballin charterte, war die "Auguste Victoria", die die heimischen Gefilde in Richtung Orient verließ. An Bord waren 241 Passagiere, die für zwei Monate aus reinem Vergnügen und Selbstzweck eine luxuriöse Seefahrt unternahmen. Da die Reise ein voller Erfolg war, richtete man sich nun auf eine größere Zahl von Luxusreisenden der ersten Klasse ein und baute immer größere und schnellere Schiffe wie die "Prinzessin Victoria Luise", die 1901 mit dem Ziel Karibik in See stach.Luxus an Bord
Die ersten Kreuzfahrten blieben elitären und vermögenden Kreisen vorbehalten. Man schwelgte in Luxus: Die Damen und Herren von Welt schlürften Austern und Champagner, verdrückten jede Menge Kaviar und flanierten auf Deck und in den nobel ausgestatteten Salons. Es gab den obligatorischen Fünf-Uhr-Tee und feierlich zelebrierte Galaabende. Eine feste Kleiderordnung und das mehrfache Umziehen am Tag waren Programm und gehörten zum Ritual dazu. Sogar ein Kleider-Knigge etablierte sich an Bord. Dauerte eine Fahrt fünf Tage, so kleideten sich die Herren immer dunkler. Zuerst trug der Mann von Welt einen hellgrauen Anzug, dann einen grauen, dunkelgrauen - bis er schließlich in Schwarz erschien - ein Zeichen dafür, dass man traurig war, weil die Reise zu Ende ging.
Die atlantische Passagierschifffahrt
Vorläufer der Kreuzfahrt war die Passagierdampfschifffahrt. Bereits 1840 hatte sich der erste Ozeanriese zur Fahrt von Europa in die neue Welt aufgemacht. Die Schiffe waren auf dieser Route ein wichtiges Verkehrsmittel für Auswanderer, die ihre alte Heimat verließen, um in Amerika ihr Glück zu suchen. Für sie war das Reisen alles andere als ein Vergnügen. In der fünften Klasse, tief im Inneren des Schiffsbauchs, den die Emigranten nur selten verließen, verharrten bis zu 15 Menschen in getrennten Frauen- und Männerkabinen. In langen Schlangen an Deck, bei Wind und Wetter mussten sie für ihr Essen anstehen. Deshalb wurde die Zeit, die die Dampfschiffe für eine Atlantiküberquerung benötigten, für Auswanderer und Reeder zu einem wichtigen Reise- und Kostenfaktor.
Die Ozeanliner konkurrierten um die schnellste Atlantiküberquerung, die mit dem blauen Band, einer dem Rennsport entliehenen Trophäe, gekürt wurde. In den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Atlantiküberquerung per Dampfschiff ihrem Höhepunkt zusteuerte, wetteiferten Italiens "Rex", Frankreichs "Normandie" und Englands "Queen Mary" um die Auszeichnung. Nur zwei Jahrzehnte später tauchte ein tödlicher Konkurrent für die Linienschifffahrt am Himmel auf, das Passagierflugzeug. Die Ära der Luftfahrt hatte begonnen. Immer mehr Schiffskabinen auf der Transatlantikstrecke wurden nicht gebucht, besonders in den Wintermonaten. Aufgrund des Leerstands boten die Reedereien erneut Reisen in die Sonne an.
An Bord eines Ozeanriesen bleibt heutzutage kaum ein Wunsch unerfüllt
Die Kreuzfahrt von heute
Was abermals als Notlösung gedacht war, entwickelte sich zu einem profitablen Geschäft. Kreuzfahrten wurden nun auch für Normalverdiener erschwinglich. Der Unterschied zu früher: Es gibt zwar nicht mehr so viel Kaviar, aber die Kabinen sind heute sehr viel größer und bequemer als noch vor hundert Jahren. Auch kann der Reiselustige je nach Gusto und Geldbeutel unter einer Vielzahl von Angeboten, z.B. der klassischen, modernen oder Expeditionskreuzfahrt wählen. Für jeden Reisetyp gibt es das richtige Schiff. Und an Bord eines Ozeanriesen bleibt heutzutage kaum ein Wunsch, egal ob Eisschnellbahn, Kino oder Kletterwand, unerfüllt.


