Kreuzfahrt auf dem Nil
Eine Fahrt mit dem Kreuzfahrtschiff über den Nil repräsentiert gewissermaßen die Urform der Flusskreuzfahrt; schon zu englischen Besatzungszeiten war es üblich, zur Sommerfrische und kulturellen Erbauung eine Kreuzfahrt über den Nil zu machen. Für Touristen wurden Kreuzfahrten mit luxuriösen Schiffen oder Feluken angeboten. Heute bieten viele Hundert Kreuzfahrtschiffe ihre Dienste; Kreuzfahrten auf dem Nil führen meist von Kairo bis Assuan.

Der Nil, die Lebensader Ägyptens und des östlichen Nordafrikas misst von seiner südlichen Quelle in Burundi (Weißer Nil) bis zu seiner Mündung im Nildelta bei Alexandria 6.671 Kilometer. Bei Khartum, der Hauptstadt des Sudan, nimmt er den Blauen Nil auf, der aus dem Hochland Äthiopiens kommt. Ägypten durchquert er von Norden nach Süden auf einer Länge von 1.550 Kilometern. Für Kreuzfahrtschiffe ist der Nil bis Assuan schiffbar.
Der Strom machte Ägypten 3.000 Jahre lang zum reichsten Staat der vorderasiatischen Hochkulturen und bietet auch heute noch Lebensraum für 98% der ägyptischen Bevölkerung. Der Bau des Assuanstaudamms revolutionierte die Wasserwirtschaft und ermöglicht heute drei Ernten pro Jahr, allerdings fehlt der Nilschlamm, der den Damm nicht passieren kann, dieser wird durch Kunstdünger ersetzt.
Luxor
Das kleine Städtchen am Ostufer des Nils lebt vom Fremdenverkehr. Alle Nilkreuzfahrten besuchen Luxor. In der Umgebung findet man die großartigsten Tempel- und Grabanlagen. Die heutige Provinzstadt war bis zur Ptolemäerzeit eines der geistigen und religiösen Zentren des Reichs, damals hieß die Stadt Theben und galt als eine der größten und schönsten Städte der Welt.
In und um Luxor sehenswert sind insbesondere die gewaltigen Tempelanlagen, Kreuzfahrtreisende sollten sich auf ein großes Besichtigungsprogramm einstellen Der um 1500 vor Chr. erbaute Luxor-Tempel war einer der größten der alten Welt. Bauherr war Pharao Amenophis III unter dessen Regierung Ägypten eine Zeit des Wohlstands erlebte. Tutanchamun und Ramses II erweiterten die Anlage.
Eine 2,5 Kilometer lange Sphingenallee verbindet das Heiligtum von Luxor mit der Tempelanlage von Karnak. Die größte Tempelanlage Ägyptens war 2000 Jahre lang religiöser Mittelpunkt des Landes. Der beeindruckendste Bauteil ist der Große Säulensaal zwischen dem zweiten und dritten Pylon. Auf einer Fläche von mehr als 5.000 Quadratmetern stehen in 16 Reihen 134 riesige Säulen, deren Reliefs von kultischen Handlungen berichten.
Im nordwestliche gelegenen Theben/West legte der Hof des Mittleren Reichs auf einer Fläche von 6 x 2 Kilometern eine umfangreiche Tempe-l und Totenstadt an. Zwei in der Nilebene stehende sogenannte Memnonkolosse markieren den Eingang zur Anlage.
Edfu, 104 Kilometer südlich von Luxor wird ebenfalls im Rahmen einer Nil-Kreuzfahrt angelaufen. Hier befindet sich der besterhaltene Tempel aus der Pharaonenzeit.
Tal der Könige
Diese weltberühmte Felstal diente zwischen 1570 und 1085 vor Chr. als Grabstelle für alle ägyptischen Könige außer Echnaton. Im Rahmen eines Kreuzfahrt-Ausflugs kann man das Tal der Könige erkunden. 1922 entdecke der Engländer Howard Carter das nahezu unversehrte Grab des Tutanchamun, In der Grabkammer fand man vier ineinandergesetzte Schreine, in denen sich ein ganz aus Gold gefertigter Sarg mit der Königsmumie und die berühmte Totenmaske befanden. Der Grabschatz befindet sich im Ägyptischen Nationalmuseum in Kairo.
Assuan und Abu Simbel
Weiter geht die Nil-Kreuzfahrt Richtung Süden. Assuan, die südlichste Stadt Ägyptens ist seit alters her wegen ihres trockenen, warmen Klimas als Kurort bekannt. Die Stromschnellen des Nils machten Assuan lange Zeit für Eindringlinge aus dem Süden uneinnehmbar. Mit sowjetischer Hilfe entstand 1960-71 der Assuanstaudamm. Der 111 Meter hohe und 5 Kilometer lange Hochdamm staut den Nil zum 550 Kilometer langen Nassersee.
Assuan ist eine sehr lebendige Stadt. Am südöstlichen Stadtrand gibt es antike Granitsteinbrüche mit einem unvollendeten Obelisken. Sehenswert ist das Aga-Khan-Mausoleum, hier wurde das Oberhaupt der schiitischen Nazari-Ismailiten und indischer Fürst Aga Khan III beerdigt. Historischer Kern der Stadt ist die Nilinsel Elephantine. Einen Besuch wert sind der Philaetempel und das Simeonskloster.
Größte Sehenswürdigkeit in der Umgebung von Assuan ist das 220 Kilometer südwestlich gelegene Abu Simbel. Kreuzfahrtpassagiere können Abu Simbel mit Bus oder Taxi erreichen. Wie die Philaetempel musste auch die Tempelanlage von Abu Simbel vor den Wassermassen des Nassersees gerettet werden. Fünf Jahre Bauzeit waren notwendig, um die Anlage in jeweils ca. 20 Tonnen schwere Steinquader zu zersägen und diese 65 Meter höher wieder zusammenzusetzen. Die Fassade des Großen Tempels wird von vier 20 Meter hohen Sitzfiguren Ramses`II beherrscht.
Der 50 Kilometer nördlich gelegene Doppeltempel von Kom Ombo ist ebenfalls ein Besuch wert.